Gestern war es sehr heiß und Adam ist naturgemäß nicht gekommen, Solange hat ihn auch nicht gesehen, bin Klaus auf der Seite des Beckens begegnet, wo keine Pritschen sind, habe zu ihm gesagt, dass ich ihm Adam vorstellen wollte, er murmelte etwas von Gestern war ich nicht…. Ich glaube, ihr seid beide schüchtern! Er hält inne und denkt nach. Was haben die beiden nur, das geht mir nicht aus dem Kopf. Ist das mein blinder Fleck, ich komme einfach nicht dahinter. Mögen sie sich nicht, haben sie sich zerstritten, etwas stimmt da nicht. Heute war ich schon am frühen Morgen im Wasser, es war bedeckt, niemand außer mir im Becken, habe auf Adam gewartet, es ist dann wunderschön geworden, aber es sind immer wieder ein paar dunkle Wolken vorbei gezogen. Ich habe eine Biene gerettet, sie wäre fast ertrunken, habe ihr ein Lindenblatt untergelegt, als ich nach zwei Längen zurück kam, hat sie sich noch immer geputzt und abgetrocknet. Als ich zum seichten Ende schwamm, sah ich, dass Adam gekommen ist, er stand dort mit seinem grauroten Leibchen, das ich schon kenne und zog sich aus, bei den Gartenstühlen. Dann kam er auf mich zu, ich stand vor ihm und er ist ein bisschen nach rechts gegangen, hat Hallo gerufen, ich habe gerufen, dass es heute schön sei, Ja, heute ist es schön! Bist du nicht zu spät gekommen, nein, überhaupt nicht, gerade rechtzeitig, bist du mit dem Taxi gefahren, nein, mit der U4, Erzähl!, welche Frage hast du bekommen, wie die österreichische Identität durch den österreichischen Film erschaffen wird, er wird böse, das waren acht Seiten, das kann ich doch nicht in drei Minuten sagen, am Beckenrand!, sag mir nur, was du denkst, die Österreicher haben keine Identität oder eine vergangene, sogar in ihren Sciencefictionfilmen geht es um die Vergangenheit, Österreich ist eine Nekropolis, nein, ein Museum, kombiniert mit einem Landschaftspark oder ein Potpourri aus Operetten oder so ähnlich. In Österreich gibt es 8 Millionen Prominente, alle Schauspieler ihrer selbst, alle feiern sich ständig selbst und die Welt nimmt keine Notiz davon, aber hier handelt es sich um etwas anderes, um die kultische Administration eines Totenreichs, ich weiß nicht, aus welchem Grund du oder ich stolz sein sollten, die Aufmerksamkeit der Welt noch auf uns ziehen wollen, mit Festspielen, Festwochen, Musikwochen, Gedenkjahren, Kulturtagen, die Welt könnte nichts Besseres tun, als geflissentlich wegsehen, um nicht zu erschrecken, denn es könnten ihr die Augen aufgehen, was auf sie noch zukommen wird, im besten Fall, und je leiser es hier zugeht, je heimlicher unsere Totengräber arbeiten, je verborgener alles geschieht, je unhörbarer es gespielt und zu Ende gesagt wird, desto größer würde vielleicht aber die wahrhaftige Neugier werden. Das Krematorium von Wien ist seine geistige Mission, siehst du, wir finden die Mission doch noch, man muß sich nur weit genug auseinanderreden, aber schweigen wir darüber, hier hat das Jahrhundert, an seinem brüchigsten Ort, einige Geister zum Denken befeuert und es hat sie verbrannt, damit sie zu wirken beginnen, doch ich frage mich, du fragst dich sicher auch, ob nicht mit jeder Wirkung auch ein neues Missverständnis bewirkt wird… (Ingeborg Bachmann). Er setzt sich die Schwimmbrille auf und sagt, dass er nicht lange bleiben könne, er müsse wieder ins Theater, ich frage ihn, ob es stimme, dass die Geschwister Pfister nach Wien kämen, er sagt ja, an fünf Terminen, das ist aber nicht viel, doch, für die Geschwister Pfister schon, ich habe es noch nie geschafft, Karten für die zu bekommen, die sind immer ausverkauft, er sagt, doch, es gäbe noch Karten. Mir ist zu heiß geworden, immer mehr Leute sind ins Wasser gekommen, Alla und Tex Rubinowitz auch, ein Mädchen hat ihm die Wende beigebracht und er ist sogar Delphin geschwommen, ich bin noch zehn Längen geschwommen und zu meinem Platz gegangen, es war so angenehm, ich bin ganz leicht geworden und getaucht und nach unten gekommen, dann habe ich gelesen und Fotos gemacht, eins von Adam, aber ich glaube manchmal, er kann zaubern, als ich den Film heraus nehmen wollte, ist er mir gerissen! Ich will ihn ja gar nicht fotografieren, so wie ich ihn in meinem Gedächtnis aufbewahrt habe, kann ich ihn nicht festhalten auf Fotos. Er ist eine Länge gesprintet, es hat wütend ausgesehen, ich habe mir eingebildet, er sei wütend, weil ich ihn fotografiert habe, aber er hat es sicher gar nicht bemerkt, dann hat er seine Streckübungen bei den Startblöcken gemacht, dann ist er zurück gesprintet. Er hat sich geduscht, ich saß im Schatten, er ist zum Brunnen gegangen, um Wasser zu trinken, hat beim Brunnen Streckübungen gemacht, ich habe gehofft, dass er mich besuchen kommt, aber er kommt nicht mehr, er ist an der Seite des Beckens zurück gegangen, wo die Duschen sind. Als ich auf’s Klo ging, sah ich seine Schuhe unter einem Sessel stehen, das sah so traurig aus. Er hat sich auf einen Gartenstuhl gesetzt, mit dem Gesicht zu mir, vielleicht hat er sich gedacht, ich sei schon gegangen, weil ich im Schatten war, ich habe weiter gelesen und immer wieder zu ihm hin geschaut, um zu sehen, ob er noch da ist, plötzlich war er angezogen, hat sich vor allen Leuten die Badehose unter dem Handtuch ausgezogen und seine Hose angezogen, ich war eifersüchtig, dann ist er noch herum geturnt, er hatte wieder einen gelben Rucksack, nicht den alten grünen, er ist mit all seinen Dingen über die Steintreppe hinauf gegangen, aber oben hat er sich noch einmal umgedreht und inne gehalten und zu mir her geschaut, dann ist er davon gegangen. Ich habe noch ein paar Seiten gelesen, dann bin ich auch gegangen und zufällig auf die Quelle gestoßen, von der Schönbrunn den Namen hat, sie ist vergittert, wahrscheinlich ist die alte Frau schon gestorben, die früher immer Heilwasser aus dem schönen Brunnen verkauft hat. Auf einer Bank saß eine Sandlerin und hat herum geschrieen und in ihrer Tasche gewühlt, ich habe sie schon gestern gesehen, sie scheint im Wald zu wohnen, eine Frau, die vorbei gekommen ist, hat zu mir gesagt: Die hat den gestrigen Tag in der Tasche verloren! Ich habe gesagt ich auch! Sie meinte, bei mir sei das ja etwas Anderes. So sicher bin ich mir da nicht.